Warum öffentlicher Raum neue Orientierung braucht.
Öffentliche Räume stehen heute unter einem enormen Erwartungsdruck: Sie sollen klimaresilient sein, vielfältige Nutzungen ermöglichen, Sicherheit gewährleisten, soziale Teilhabe ermöglichen und gleichzeitig attraktiv und robust bleiben. Parallel wächst die theoretische Debatte um den öffentlichen Raum und wird zunehmend diverser und widersprüchlicher. Für viele Kommunen wird es dadurch schwieriger, Prioritäten zu setzen und tragfähige Entscheidungen zu treffen. Im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) haben wir gemeinsam mit bgmr Landschaftsarchitekten die wichtigsten theoretischen Positionen der letzten Jahre systematisch ausgewertet und in fünf Denkwelten strukturiert. Unsere Haltung: Theorie und Praxis müssen zusammengedacht werden, um die Komplexität öffentlicher Räume besser verstehen und bearbeiten zu können.
Prozessphasen
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Diskurs analysieren Literaturreview
Mapping theoretischer Ansätze -
Wissen ordnen Themensynthese
Verdichtung zu Denktwelten
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Denkwelten formen Transferanalyse Theorie → Praxis
Ableitung von Handlungslogiken -
Praxis spiegeln Kommunale Beispiele
Praxisabgleich
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Erkenntnisse verhandeln Expert*innen-Workshops
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Orientierung geben Entwicklung Werkzeugkasten
Aufbereitung in Denkwelten
Wie wir Theorie und Praxis zusammengebracht haben.
Für die Entwicklung der fünf Denkwelten haben wir wissenschaftliche Literatur, politische Debatten und praxisnahe Publikationen ausgewertet und die gewonnenen Perspektiven in einem iterativen Prozess geclustert. Die theoretischen Ansätze wurden anschließend mit ausgewählten Praxisbeispielen aus Kommunen unterschiedlicher Größe gespiegelt, um die abstrakten Zugänge in räumliche und organisatorische Realitäten zu übersetzen. Zentral war dabei der Austausch mit Expert*innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Planung: In mehreren Werkstätten wurden die Denkwelten diskutiert, geschärft und weiterentwickelt. Dieser offene, dialogische Prozess half, blinde Flecken aufzudecken, Widersprüche zu benennen und zentrale Linien zwischen Theorie und Praxis sichtbar zu machen. Das Ergebnis ist ein Orientierungsrahmen, der Komplexität nicht simplifiziert, sondern lesbar macht.
„Die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums ist weit mehr als eine bloße ‚Verschönerung‘. Sie ist eine komplexe Aufgabe, die interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordert – über Stadtplanung und Landschaftsarchitektur hinaus.„
– Dr. Peter Jakubowski, Leiter der Abteilung Raum- und Stadtentwicklung im BBSR
Ein Werkzeug für bewusstere Entscheidungen.
Die fünf Denkwelten spiegeln die zentralen Perspektiven wider, die heutige Debatten über den öffentlichen Raum prägen – von governance-orientierten Zugängen über gestalterische und sozialräumliche Ansätze bis hin zu ökologischen und ökonomischen Anforderungen. Sie zeigen die Spannungsfelder, in denen Kommunen sich heute bewegen und machen sichtbar, wie unterschiedliche Prioritäten und Logiken in Planungsprozessen zusammenwirken. Für die Praxis entsteht damit ein Werkzeug: Die Denkwelten helfen Kommunen, Planer*innen und Verwaltungen, Entscheidungsräume zu strukturieren, Zielkonflikte bewusster zu verhandeln und strategische Schwerpunkte klarer zu setzen. Die Studie schafft damit eine bundesweit relevante Grundlage für die Weiterentwicklung öffentlicher Räume und liefert somit Impulse für eine Planungskultur, die Vielfalt, Konflikte und Komplexität als Ausgangspunkte ernst nimmt.
Links
Download: Öffentlicher Raum im Spannungsfeld vielfältiger Anforderungen ↗︎