Üben statt bauen. Eine Vision für Tempelhof.
Berlin steht vor einer Entscheidung, die weit über das Tempelhofer Feld hinausreicht: Wie wollen wir als Stadt auf die großen Herausforderungen unserer Zeit antworten? Gegenüber anderen Metropolen besitzt Berlin einen einzigartigen Schatz – den größten innerstädtischen Freiraum Europas. Hier können im Herzen der Stadt praktische Antworten entstehen und erprobt werden.
Unser Beitrag zusammen mit raumlaborberlin und Christopher Dell zum Ideenwettbewerb Tempelhof 2025 ist eine bewusste Entscheidung für eine andere Zukunft. Statt das Feld zu bebauen, schlagen wir vor, es als Übe-Raum für Stadt-Transformation zu entwickeln. Denn in Zeiten der Klimakrise, sozialer Spaltung und des Wandels braucht Berlin auf dem Tempelhofer Feld nicht noch mehr Beton, sondern Räume zum Experimentieren, Lernen und gemeinsamen Handeln. Städte wie Paris und Kopenhagen zeigen, dass Freiräume die wertvollste Ressource für eine nachhaltige und klimagerechte Stadtentwicklung sind.
Klimaverantwortung und Gemeinwohl praktisch erproben.
Berlin kann auf eine besondere Tradition der Aneignung von städtischen Freiräumen blicken. In den 1990er Jahren war die Stadt ein riesiger Experimentierraum. Pioniere entwickelten in brachliegenden Flächen eine völlig neue Art der urbanen Praxis – Nährboden für innovative kulturelle, soziale und unternehmerische Nutzungen, die den Ruf Berlins bis heute international geprägt haben. Dieses Potenzial hat die Stadt durch intensive Bautätigkeit und den Verlust von Freiräumen stark eingebüßt. Das Tempelhofer Feld ist bereits eine unschätzbare Ressource für die kommende Stadt: Hier entstehen Ideen für neue Sportarten, urbane Naturlernorte, gemeinschaftliches Gärtnern oder nachhaltige Mobilität. Unsere Vision: Aus diesen Experimenten sollen Prototypen werden, die in ganz Berlin Schule machen. Dafür braucht es Übe-Räume – Orte, wo Klimaverantwortung und Gemeinwohl nicht nur gedacht, sondern praktisch erprobt werden.

Archipel der Übe-Räume.
Wir schlagen vor, das Feld in fünf unterschiedliche Bereiche zu gliedern: vom Ring der Übe-Räume über das geschützte Wiesenmeer bis hin zu postfossilen Potentialflächen auf der A100. Jeder Bereich hat seine eigenen Talente und Aufgaben. Das Ganze wird durch eine neue Tram-Linie vernetzt, die Menschen und Ideen durch die Stadt trägt. Was hier entsteht, soll ausstrahlen: Erfolgreiche Projekte wandern vom Tempelhof in die Nachbarschaften, klimaneutrale Bauweisen werden Standard, neue Formen des Mitmachens entstehen.
So wird das Tempelhofer Feld zum Motor für eine Transformation, von der ganz Berlin profitiert.
Wir glauben, Berlin hat die Chance, europaweit zu zeigen, wie Städte des 21. Jahrhunderts aussehen können – offen, grün, innovativ und für alle da. Das Tempelhofer Feld bleibt unbebaut. Aber es bleibt nicht ungenutzt. Es wird zum Übungsplatz für die Stadt, die wir alle brauchen.
Links
Dialogprozess Tempelhofer Feld ↗︎
Download: Wettbewerbsbeitrag „übe-räume für stadttransformation tempelhof 2050“ ↗︎