„Stadtlandwirtschaft“ als Idee für die Zukunft.
Im Münchner Norden stellen sich die großen Fragen der heutigen Stadtentwicklung: Wie gehen wir mit den übrigen Freiflächen in Großstädten um? Inwiefern lassen sich Stadtgrenzen bei steigendem Nutzungsdruck weiterentwickeln? Und wie gehen wir mit ökologisch wichtigen Flächen inmitten des Klimawandels um? In diesen Fragestellungen verdichten sich grundlegende Zielkonflikte der gegenwärtigen Stadtentwicklung. Um diese auszuloten und mögliche planerische Antworten darauf zu finden, hat die Stadt München mit der Ideenwerkstatt Münchner Norden frühzeitig auf einen transparenten und dialogorientierten Prozess gesetzt. Wir waren als „Team Nordcamp“ eines der fünf eingeladenen Teams und haben uns gemeinsam mit Teleinternecafe und SHP Ingenieuren kritisch mit der Stadterweiterung im Münchner Norden auseinandergesetzt. Uns ging es um eine qualitätsvolle Siedlungsentwicklung und einen behutsamen Umgang mit den vorhandenen Freiflächen.
Als möglicher Treiber einer nachhaltigen Entwicklung hat sich dabei für uns die „Standlandwirtschaft“ herausgestellt. Der Ansatz basiert auf der Schaffung eines ko-produktiven, ökologisch wertvollen Landschaftsparks, der das Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung, Bewirtschaftung und Nutzung, gesellschaftlichen Werten und Interessen sowie natürlichen Gegebenheiten vereint.
Prozessphasen
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Münchner Norden verstehen Analyse
Lokalspezifische Haltung -
Ideen entwickeln Räumliche Handlungsansätze
Empfehlungen
Begehbares Modell -
Strategie entwickeln Drei Szenarien
Vorzugsszenario
Fokusbereiche -
Konzept schärfen Entwurf in Phasen / Etappen
Fokusräume
Modell
Stetiger Austausch in einem offenen Entwurfsprozess.
Welche Kräfte wirken auf die Entwicklung des Münchner Nordens? Was hält den Münchner Norden zusammen? Ausgehend von einer Analyse des Entwurfsgebiets haben wir im Verlauf der einwöchigen Ideenwerkstatt eine gemeinsame Entwurfsprinzipien entwickelt, die wir später in räumliche Ansätze übersetzt haben.
Im kontinuierlichen Austausch mit den anderen Planungsteams sowie in täglichen offenen Sprechstunden mit Bürger*innen, Initiativen und Vertreter*innen der Verwaltung konnten wir unsere Ideen weiterentwickeln und schärfen. Dabei wurde uns deutlich: Die Entwicklung des Münchner Nordens ist ein Aushandlungsprozess zwischen unterschiedlichen Interessen, der sich durch die zunehmende Flächenknappheit weiter verschärft. Ein fertiger Masterplan mit festgelegten Baufeldern und Erschließungsstraßen greift aus unserer Sicht deshalb zu kurz. Stattdessen schlagen wir einen strategischen Ansatz vor, der langfristige Entwicklungsspielräume offenhält. So entstehen einerseits Lösungen für dringend benötigten Wohnraum und gleichzeitig Freiflächen für zukünftige Generationen.
In der finalen Überarbeitungsphase nach der Ideenwerkstatt haben wir diesen Ansatz weiter präzisiert und mit ausgewählten Fokusräumen sowie einem Modell vertieft.
„Stadtlandwirtschaft ist der Motor für eine nachhaltige Entwicklung im Münchner Norden.“
Zwischen abstrakter Vision und konkreten Handlungsoptionen.
Die unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten für den Münchner Norden haben wir in drei räumliche Szenarien übersetzt und mit Planungsetappen hinterlegt. Während wir die formulierten Haltungen als übergeordnete Leitplanken für die Entwicklung verstehen, bieten die Prinzipien und räumlichen Ideen die Möglichkeit, sich an zukünftig ändernde Rahmenbedingungen anzupassen und fortlaufend ergänzt zu werden.
Statt einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme (SEM) ist unsere Vision für den Münchner Norden eine schrittweise, städtebaulich-landwirtschaftliche Entwicklungsmaßnahme (SLEM). Die „Stadtlandwirtschaft“ wird dabei zu einem Motor der Entwicklung, regionale Bezüge rücken in den Vordergrund. Zwischen Landschaft und Siedlung entsteht ein Allemendesaum, der als Übergangsraum Bestehendes und Neues verbindet. Ergänzt wird dies durch eine bessere Anbindung über den öffentlichen Verkehr und regionale Netze, um auch den Verkehrsknoten im Münchner Zentrum künftig zu entlasten und die Ost-West-Anbindung an Ludwigsfeld sowie Dachau zu verbessern.