Auftraggeber*in

Stadtplanungsamt, Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement „Leipzig weiter denken“, Stadt Leipzig

Zeitraum

10/2020 – 12/2024

Ort

Leipzig

Kompetenzfelder

Vermitteln & Aushandeln

Leistungen

Thematische Dialoge, Kommunikationskonzepte

Projektteam

Prof. Klaus Overmeyer, Thees Kalmer, Klara Herrmann, Francis Jahn, Jan Overmeyer, Fiona Hager

Ein Ort im kollektiven Gedächtnis Leipzigs.

Der Matthäikirchhof, unweit des Leipziger Hauptbahnhofs, ist eine der letzten großen Entwicklungsflächen in der Innenstadt – und seit Jahren weitgehend ungenutzt. Der Ort hat eine lange Geschichte: Hier begann einst die Siedlungsgeschichte Leipzigs. In der DDR war der Ort Sitz der Staatssicherheit und Volkspartei, bis 1989 Demonstrierende die „Runde Ecke“ besetzten und mit ihrem gewaltfreien Protest landesweit eine Welle des Widerstands auslösten. Diese Spuren sind bis heute in den Gebäuden und im kollektiven Gedächtnis der Stadtgesellschaft sichtbar.

Weil sich das Areal weitestgehend im Besitz der Stadt Leipzig befindet, konnte sie die Entwicklung selbst in die Hand nehmen und die Öffentlichkeit von Anfang an einbinden. Wir haben vor und während des städtebaulichen Wettbewerbs einen breit angelegten Beteiligungsprozess konzipiert und begleitet und gemeinsam mit vielen Leipziger*innen Impulse für die Zukunft des Matthäikirchhofs gesammelt.

Prozessphasen

  1. Ortsspezifische Themen aushandeln Positionspapier
    Öffentlicher Auftakt
    Vier Fachwerkstätten
  2. Leipziger*innen einbeziehen Online-Umfrage
    Aktionstage
    Öffentliches Forum
    Wachsende Ausstellung
  3. Vision für den Wettbewerb formulieren Matthäikirchhof-Code
  4. Entwürfe diskutieren Online-Schauplatz
    Hofschau

Wie lässt sich die Zukunft eines Areals im Dialog entwickeln?

Ein Ort, der so eng mit politischen Umbrüchen und demokratischen Aufbrüchen verbunden ist, braucht einen dialogischen Prozess. Einen, der Perspektiven zusammenbringt und gemeinsam getragene Visionen ermöglicht. Genau das haben wir getan: In einem Beteiligungs- und Kommunikationsprozess mit der Leipziger Stadtgesellschaft erarbeiteten Bürger*innen, Politik und Fachleute eine programmatische Grundlage für den städtebaulichen Wettbewerb.

Der Prozess begleitete beide Phasen – Vorbereitung und Wettbewerb – mit aufeinander abgestimmten Formaten vor Ort und online: öffentliche Auftaktveranstaltungen, Fachwerkstätten, Aktionstage in der Innenstadt, digitale Umfragen. So schufen wir Räume, um Austausch zu ermöglichen, Komplexität sichtbar zu machen und Interessen auszuhandeln. Auch während des Wettbewerbs blieb der Dialog zentral: Entwürfe wurden in einer Online-Ausstellung präsentiert, Feedback gesammelt, öffentlich in einer Hofschau diskutiert und somit der direkte Austausch zwischen Stadtgesellschaft und Planungsteams ermöglicht.

Beteiligung setzt Leitplanken für die Transformation.

Der Prozess hat klare Leitplanken gesetzt und den Leipziger*innen dabei eine aktive Rolle gegeben. Zwischen 2021 und 2022 entstand so eine gemeinsame Vision, gebündelt im „Matthäikirchhof-Code“: zentrale Anforderungen, Prüfaufträge und Haltungen zum Umgang mit dem Bestand, zur zukünftigen Nutzung, zur Öffnung des Areals. Sie flossen direkt in die Aufgabenstellung des Wettbewerbs ein. Die Stimmen der Stadtgesellschaft wurden so verbindlich in den Planungsprozess übersetzt.

Auch im Wettbewerb blieb dieser Einfluss sichtbar: Die Entwürfe wurden öffentlich diskutiert, auf Basis des Feedbacks überarbeitet und weiterentwickelt. Seit 2024 steht ein Siegerentwurf fest. Er greift viele Impulse aus dem Prozess auf: den teilweisen Erhalt der Bestandsgebäude, einen bewussten Umgang mit Geschichte, die Öffnung des Areals und eine nachhaltige Entwicklung, die vorhandene Ressourcen nutzt. Das zeigt, wie wirksam Beteiligung sein kann: Sie eröffnet Perspektiven, entwickelt gemeinsame Haltungen und prägt die Stadtentwicklung in Leipzig langfristig mit.

Links

Projektwebsite: Beteiligungsprozess Matthäikirchhof ↗︎